1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24
2:1 Sie sagen nämlich bei sich selbst (oder zueinander), indem sie verkehrt urteilen: »Kurz und mühselig ist unser Leben; wenn es mit dem Menschen zu Ende geht, gibt es kein Heilmittel, und bekannt ist uns keiner, der aus der Unterwelt gerettet hätte.
2:1 dixerunt enim apud se cogitantes non recte exiguum et cum taedio est tempus vitae nostrae et non est refrigerium in fine hominis et non est qui agnitus sit reversus ab inferis
2:2 Denn durch Zufall sind wir entstanden, und nachher werden wir sein, als wären wir nie dagewesen; denn Dunst ist der Odem in unserer Nase und das Denken nur ein Funke, der durch die Bewegung unseres Herzens entsteht;
2:2 quia ex nihilo nati sumus et post hoc erimus tamquam non fuerimus quoniam fumus afflatus est in naribus nostris et sermo scintillae ad commovendum cor nostrum
2:3 erlischt dieser Funke, so wird der Leib zu Asche, und der Geist verfliegt wie dünne Luft.
2:3 quia extincta cinis erit corpus et spiritus diffundetur tamquam mollis aer et transiet vita nostra tamquam vestigium nubis et sicut nebula dissolvetur quae fugata est a radiis solis et a calore illius adgravata
2:4 Selbst unser Name gerät mit der Zeit in Vergessenheit, und niemand gedenkt mehr unserer Taten; unser Leben geht vorüber wie die Spur einer Wolke und wird verweht wie Nebel, den die Strahlen der Sonne verscheuchen und den ihre Wärme zum Sinken bringt.
2:4 et nomen nostrum oblivionem accipiet per tempus et nemo memoriam habebit operum nostrorum
2:5 Ein Schatten, der vorüberzieht, das ist unser Leben, und eine Wiederkehr unseres Endes gibt es nicht; denn fest versiegelt ist’s, und zurück kommt keiner«.
2:5 umbrae enim transitus est tempus nostrum et non est reversio finis nostri quoniam consignata est et nemo revertetur
2:6 »So kommt denn und laßt uns die Güter genießen, die uns zu Gebote stehen, und laßt uns eifrig die Welt ausnützen, da wir noch jung sind!
2:6 venite ergo et fruamur bonis quae sunt et utamur creaturam tamquam in iuventute celeriter
2:7 Mit kostbarem Wein und mit Salben wollen wir uns reichlich bedenken, und keine Frühlingsblume soll ungepflückt bleiben;
2:7 vino pretioso et unguentis nos impleamus et non praetereat nos flos temporis
2:8 mit Rosenknospen wollen wir uns bekränzen, ehe sie verblühen, [keine Aue soll es geben, die wir nicht schwelgend durchstreifen]!
2:8 coronemus nos rosis antequam marcescant nullum pratum sit quod non pertranseat luxuria nostra
2:9 Keiner von uns halte sich fern von unserem Wohlleben; überall sollen die Spuren unseres Frohsinns zurückbleiben; denn das ist unser Teil und unser Los.
2:9 ubique relinquamus signa laetitiae quoniam haec est pars nostra et haec est sors
2:10 Laßt uns gegen den armen Gerechten gewalttätig vorgehen, gegen keine Witwe Schonung üben und dem grauen Haar des hochbetagten Greises keine Achtung beweisen!
2:10 opprimamus pauperem iustum et non parcamus viduae nec veterani revereamur canos multi temporis
2:11 Nein, unsere Kraft soll der Maßstab für unser Rechtsverfahren sein, denn was schwach ist, erweist sich als wertlos.
2:11 sit autem fortitudo nostra lex iniustitiae quod infirmum est enim inutile invenitur
2:12 Dem Gerechten wollen wir aufsässig sein, weil er uns unbequem ist und unserm Tun entgegentritt, weil er uns Übertretungen des Gesetzes vorhält und uns Verfehlungen gegen die Zucht zum Vorwurf macht.
2:12 circumveniamus ergo iustum quoniam inutilis est nobis et contrarius est operibus nostris et inproperat nobis peccata legis et diffamat in nos peccata disciplinae nostrae
2:13 Er rühmt sich, Gotteserkenntnis zu besitzen, und nennt sich selbst einen Gottesknecht.
2:13 promittit scientiam Dei se habere et filium Dei se nominat
2:14 Er ist für uns eine beständige Anklage unserer Denkweise geworden, lästig ist er uns schon durch seinen Anblick;
2:14 factus est nobis in traductionem cogitationum nostrarum
2:15 denn seine Lebensweise weicht von der aller anderen ab, und sein ganzes Verhalten ist völlig verschieden.
2:15 gravis est nobis etiam ad videndum quoniam dissimilis est aliis vita illius et inmutatae sunt viae eius
2:16 Wir gelten ihm als falsche Münze, und er hält sich fern von unserm Tun und Lassen wie von Schmutz. Er preist das Endlos der Gerechten glücklich und prahlt mit Gott als seinem Vater.
2:16 tamquam nugaces aestimati sumus ab illo et abstinet se a viis nostris tamquam ab inmunditiis et praefert novissima iustorum et gloriatur patrem Deum se habere
2:17 Nun, wir wollen sehen, ob er mit seinen Worten recht hat, und wollen abwarten, wie sein Ausgang sich gestalten wird.
2:17 videamus ergo si sermones illius veri sunt et temptemus quae ventura sunt illi et sciemus quae erunt novissima illius
2:18 Denn ist der Gerechte wirklich ein Kind Gottes, so wird der ihm Beistand leisten und ihn aus der Gewalt seiner Widersacher erretten.
2:18 si enim est verus filius Dei suscipiet illum et liberabit eum de manu contrariorum
2:19 Mit Hohn und Mißhandlung wollen wir ihn auf die Probe stellen, um seine Sanftmut kennen zu lernen und seine Standhaftigkeit in Leiden zu prüfen;
2:19 contumelia et tormento interrogemus eum ut sciamus reverentiam illius et probemus patientiam ipsius
2:20 zu schmachvollem Tode wollen wir ihn verurteilen, denn Rettung wird ihm ja, wie er behauptet, zuteil werden«.
2:20 morte turpissima condemnemus illum erit enim ei respectus ex sermonibus illius
2:21 So denken sie und gehen daher irre, denn ihre Bosheit macht sie blind;
2:21 haec cogitaverunt et erraverunt excaecavit enim illos malitia eorum
2:22 sie haben keine Kenntnis von Gottes Geheimnissen, haben keine Hoffnung auf einen Lohn für die Frömmigkeit und wollen nichts wissen von einem Ehrenpreis für unsträfliche Seelen.
2:22 et nescierunt sacramenta Dei neque mercedem speraverunt iustitiae nec iudicaverunt honorem animarum sanctarum
2:23 Denn Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit geschaffen und ihn zum Abbild seines eigenen Wesens gemacht;
2:23 quoniam Deus creavit hominem inexterminabilem et ad imaginem suae similitudinis fecit illum
2:24 aber durch den Neid des Teufels ist der Tod in die Welt gekommen, den die zu schmecken bekommen, welche jenem angehören.
2:24 imitantur autem illum qui sunt ex parte illius